Inspiration Matisse. Kunsthalle Mannheim

Es ist geschafft. Die langjährig geplante und hart erarbeitete Matisse-Ausstellung im Neubau der Mannheimer Kunsthalle ist eröffnet und wird bis zum 19. Januar 2020 zu sehen sein.

Blick in die Ausstellung
Seltene Zusammenschau

Die durchdachte und eingängige Zusammenschau von rund 130 Matisse-Werken und wichtigen Zeitgenossen ist noch das Verdienst der ehemaligen Direktorin Ulrike Lorenz und des Kurators Peter Kropmanns. Dem seit wenigen Wochen im Amt tätigen neuen Direktor, Johan Holten, war auf der Pressekonferenz die Begeisterung und Dankbarkeit für das Ergebnis anzuhören. „Diese Ausstellung war ein Kraftakt, der deutlich zeigt, was das neue Haus leisten kann“. Und Peter Kropmanns ergänzt: „Es ist äußerst schwierig in Deutschland eine große Matisse-Ausstellung umzusetzen und darum ist eine derartige Ausstellung auch so selten.“ Das klingt zu Recht stolz. Was da gelungen ist, wird international Beachtung finden. Die Auswahl der Werke ist bemerkenswert und das feinfühlige Ausstellungskonzept, das ursächlich chronologisch aber wiederum in dieser Chronologie motivisch und thematisch angelegt ist, macht es den Besucher*innen leicht, Matisse und seine Bedeutung für die Avantgarde zu verstehen und es lädt ein in diesen großartigen Farb-Welten buchstäblich zu baden.

Der Aufbau

Am Anfang des Parcours besticht die Ausstellung mit einer weniger bekannten Auswahl aus dem Frühwerk Matisse auf blauen Wänden. Die Besucher werden eingenommen von impressionistischen figürlichen Darstellungen, Stillleben und Landschaften. In der Folge sind Werke zu sehen, die die Ausstellungsmacher unter dem Schlagwort „die Entdeckung des Lichts und der Farbe“ subsummieren. Hier sind auch viele Zeitgenossen, die dem französischen Fauvismus verbunden waren, zu bewundern. Ein weiteres Abteil ist der Académie Matisse und insbesondere den deutschen Schüler*innen Matisse gewidmet. Daran schließt sich ein Raum an, der die bewegten figürlichen Zeichnungen Matisse beherbergt. Am Ende der Ausstellung stehen Werke aus Matisse Spätwerk, zu dem auch vier überlebensgroßen Bronzereliefs zählen – weibliche Rückenfiguren, die in hinterleuchteten Portalöffnungen stehen und die Besucher*innen magnetisch anziehen. Kleinere Bronzen – zumeist weibliche Akte, aber auch der berühmte Schreitende Mann – sind auf der gesamten Ausstellungsfläche verteilt.

Die Absicht

Der Titel Inspiration Matisse weist bereits darauf hin. Die Ausstellung soll Matisse Einfluss auf die Künstler*innen seiner Generation und die Avantgarde sichtbar machen. Matisse hat viele inspiriert, aber neben den Fauvisten wie Georges Braque, André Derain und Albert Marquet in besonderem Maße auch Schüler*innen der Académie Matisse wie Rudolf Levy, Oskar und Margarethe Moll sowie Hans Purrmann und Mathilde Vollmoeller und die deutschen Expressionisten, darunter Ernst Ludwig Kirchner, August Macke und Max Pechstein. Gerade auf letztere wirkte Matisse Malerei wie ein Katalysator, nachdem Matisse seine Malweise 1905 in Paris präsentiert hatte und in Folge bis 1909 auch mehrmals Deutschland bereiste. Es ist bekannt, dass Kirchner und Pechstein eine große Matisse-Schau bei Cassirer in Berlin 1909 besuchten und sich vor allem durch Matisse Frauenakte beeinflussen ließen. Die nach 1909 entstandenen Akte der „Brücke“-Künstler sind gekennzeichnet von Formvereinfachungen, starken Figurendrehungen und einer Prominenz des weiblichen Unterkörpers – eine Formensprache, die es vor Matisse nicht gab. Neben dieser Formensprache ist es immer wieder auch die leuchtende Farbigkeit der Arbeiten von Matisse, die Einfluss nahmen und später aus emanzipatorischer Sicht im deutschen Expressionismus noch greller, wilder behandelt wurden.

Henri Matisse, Der Sklave, Bronze 1900-1903
Henri Matisse, Liegender Akt, Bronze, 1907
Ernst Ludwig Kirchner, Liegende, 1911/1912
Die Erkenntnis

Die Ausstellung macht nicht nur Matisse Einfluss auf die Moderne sichtbar, sie lässt auch erahnen, wie eigenständig und unbeeinflusst Matisse selbst seine Formensprache in allen von ihm betriebenen Genres vorantrieb: kompromisslose Verdichtung, Reduzierung und Abstraktion ohne die Figur aus dem Blick zu verlieren. Gerade an den vier lebensgroßen Rückenakten in Bronze, an denen Matisse zwei Jahrzehnte arbeitete ist diese Entwicklung der Formensprache ablesbar. Nicht umsonst gelten sie als ein Höhepunkt des Werks von Henri Matisse.

WO:
KUNSTHALLE MANNHEIM
Friedrichplatz 4
68165 Mannheim

WANN:
Dienstag – Sonntag & Feiertage 10 – 18 Uhr
Mittwoch 10 – 20 Uhr / 1. Mittwoch im Monat 10 – 22 Uhr /
1. Mittwoch im Monat 18 – 22 Uhr freier Eintritt
Montag geschlossen

WEITERE INFOS:
www.kuma.art
Die Ausstellung läuft noch bis zum 19.01.2020

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