Urbanität in Bearbeitung, KV Ludwigshafen

bis 21.11.2021

Die großen städtebaulichen Projekte Ludwigshafens, die in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts entstanden sind, nimmt die aktuelle Ausstellung des Kunstvereins Ludwigshafen in den Blick. Was ist aus den damaligen prestigeträchtigen Vorzeigeobjekten geworden? Der Hauptbahnhof, das Rathaus-Center und die Hochstraßen sind zu Zeitzeugen einer unaufhaltsamen Entwicklung geworden, welche alle Innenstädte bedroht: Siechtum, Leerstand und Vereinsamung sind die Vorboten, danach stirbt die Innenstadt langsam aber sicher aus. Die Ausstellung in Ludwigshafen macht Hoffnung, sie bietet aus dieser Notlage heraus neue Ansichten und Perspektiven. Medizinisch gesehen ist es eine Operation am offenen Herzen.

Fünf ganz unterschiedliche küntlerische Ansätze werden in der Ausstellung vereint: Malerei von Katja von Puttkamer, Fotografien von Sandra Köstler, eine Videoinstallation von Stephan Backes, bildhauerische Arbeiten von Ina Weber und eine Installation von Knut Eckstein. Die Kunstwerke befassen sich mit dem geschilderten Problem, sie setzen am Beispiel des Rathaus-Centers und der Hochstraße Nord an und setzen sozio-kulturelle Bezugspunkte mit lokalpolitischem Kolorit. Viele dieser aktuell entstandenen Werke wirken zeitlos entrückt, da die Motive aus den 70er Jahren stammen und die Arbeiten dort verankert sind. Die menschenleeren Fotografien der Hochstraße von Sandra Köstler, das aus Zivilisationsmüll aufgebaute „Ödland“ von Knut Eckstein sowie das „Mix Cafe“ und „Trinkerecke“ von Ina Weber legen den Finger direkt in die Wunde. Sie skizzieren den Ist-Zustand aber sie beinhalten auch einen Blick auf das Kommende. Wie lassen sich die bestehenden Probleme lösen, welche neuen Ansätze lassen sich daraus erschließen? Der Abriss macht die Architektur dann endgültig zu Bausünden und ist die einfachste Lösung, aber es ist auch ein Offenbarungseid: ein ressourcenvernichtendes Armutszeugnis und ein Bekenntnis einer nicht vorhandenden oder nicht gewollten Kreativität. Die Umnutzung, das Neudenken und das Erschaffen von Visionärem ist darin nicht enthalten. Im Gegensatz dazu werden diese Positionen in der Ausstellung bewusst entwickelt und vorgestellt.

Eingebunden werden die einzelnen Positionen durch eine vom raumlaborberlin entworfene Ausstellungsarchitektur, die sich an den städtebaulichen Großprojekten Rathaus-Center und Hochstraße Nord orientiert. Innerhalb dieser Architektur präsentieren Studierende der TU Berlin visionäre Projekte zur Nutzung der Hochstraße. So sieht man in diesen Modellen, wie sich die Hochstraße auch weiterhin nutzen ließe. Dabei wird der Umraum eingebunden, so daß sowohl unter, auf und um die bestehende Hochstraße herum mit den neu entstehenden Gebäuden eine symbiotische Struktur neue städtebauliche Anreize schafft. Eine Rap Academy, eine Philharmonie oder ein Fahrradring werden im Modell vorgestellt und könnten als Anregung für ein neues Stadtgesicht stehen, das nachhaltig und ressourcenschonend die bestehende Architektur weiterhin einbindet und um eine attraktive Nutzung ergänzt.

„Wertstadt – Performative Urbanität“ begleitet die Ausstellung im Kunstverein. Es ist eine Veranstaltungsreihe, die sich mit Gesprächen, Spaziergängen, Performances und Workshops dem Thema aus unterschiedlichen Richtungen nähert, es beleuchtet und dazu einlädt, die Werte Ludwigshafens wiederzuentdecken. Ausgehend vom Kunstverein wird der Stadtraum mit seinem urbanen Leben in den Blick genommen und wertschätzend gewürdigt.

Kunstverein Ludwigshafen, Bismarckstr. 44-48, 67059 Ludwigshafen

Di-Fr 12-18 Uhr, Sa, So 11-18 Uhr

Eintritt: Pay what you want!

www.kunstverein-ludwigshafen.de

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