Tanja Vetter: „A Place to be“, Galerie RosenRot, Mannheim

Es eröffnet sich derzeit kaum ein besserer Ort, an dem man verweilen und „gutes Wetter“ genießen kann, als in der Mannheimer Galerie RosenRot. Dort sind bis zum 24. Februar weit über 20 farbintensive Landschaftswelten der Mannheimer Künstlerin Tanja Vetter zu sehen, die trübes, kaltes oder nasses Winterwetter draußen schnell vergessen lassen.

Tanja Vetter glänzt in der Ausstellung mit gewohnt kraftvollen, farbgewaltigen Landschaften, die den Betrachtenden mitnehmen ans Meer, an einen See, in den Wald oder auf einen Berg. Allerdings finden wir uns nicht an Orten in der Natur wieder, wie wir sie von eigenen Urlaubsfotos oder aus Reiseführern kennen, sondern diese Landschaften stellen vielmehr eine Parallelwelt zur Wirklichkeit der Welt dar und bilden diese eben nicht ab. Vetter gestaltet Gesehenes um und schafft mit Licht, Farbe, einer geschickten Ausschnittwahl und Perspektive ganz neue Erlebnisräume – und das in sowohl impressionistischer als auch expressiver Manier. Die Farbigkeit und das Schattenspiel sind gewaltig, der Pinselstrich zügig und frei. Verschiedene Farbebenen formen sich wie von selbst zu einer Landschaftsimpression. Die Betrachtenden werden an Orte gebracht, die ihnen gewissermaßen ein transformatorisches Naturerlebnis bescheren. Sie werden aufgefordert die Orte, in die sie schauen, zu erspüren und ihre besonderen Stimmungen einzusaugen. Unser Blick in neonfarbene Wolken oder in eine glutrote Sonne über einer schrill-bunten Berglandschaft und auf das Funkeln wilder Lichtreflexe auf türkisem Wasser, richtet sich wie von selbst auch in unser Innerstes. Der Künstlerin gelingt es vor allem über Farbwirkungen und die Ausschnittwahl uns in die Stimmung ihrer surrealen, mystischen Welten hineinzuziehen. Ganz unverhofft finden wir uns an unseren eigenen Sehnsuchtsorten wieder – „Places to be“.


In ihren Strandimpressionen, die den gesamten Raum II in der Ausstellung einnehmen, tritt noch eine weitere Wirkung der Vetterschen Landschaften zu Tage. Wir blicken aus deutlich erhöhter Perspektive aus der Ferne in sonnige, warme Strandlandschaften mit winzigen Menschen, die den Bildtiteln nach einen „Lazy Day“ verbringen. Auch hier greifen wir zunächst auf eigene Reiseerinnerungen zurück und begreifen doch, dass wir in keine reale Welt blicken: Die Distanz zu der Szenerie ist zu groß, das Meer nicht wirklich zum Greifen nahe, das Treiben unwirklich. Auch hier spielen unsere Sehnsüchte nach einem irdischen Paradies der Künstlerin in die Karten. Wir erträumen uns an idealisierte Orte der Geborgenheit, der Verwunschenheit, der Verzauberung und zugleich wissen wir, dass diese Orte, die wir hier erspüren nicht existent sind.
Die Arbeiten von Tanja Vetter stehen damit, wenn man so will, eigentlich ganz im Sinne einer Landschaftsmalerei des beginnenden 19. Jahrhunderts, als sich die Literaten und Künstler mit einer ganz ungewohnten Sensibilität gegenüber der Natur und ihrer Wirkung auf den Menschen befassten. Die uns umgebende Natur wurde damals als Quelle menschlicher Leidenschaften und emotionaler Stimmungen wiederentdeckt – als ein Lebensraum, der unmittelbar Einfluss auf unsere seelische Verfassung nimmt und untrennbar mit dem Menschen verbunden ist. Dieses seinerzeits völlig neue Naturideal, ist aus heutiger Sicht aktueller denn je. Angesichts der anhaltenden Zerstörung und Ausbeutung unserer Natur und der Erkenntnis, dass der Mensch damit seine eigene Existenzgrundlage zerstört, sind wir heute über die Konsequenzen aufgeklärt und spüren darum möglicherweise umso intensiver, was uns die Natur gibt.

Weitere Infos auch unter: https://www.tanjavetter.de/

Ausstellungsende: 24.02.2024
Ausstellungsort: Galerie RosenRot, Neckarstr. 3, 68259 Mannheim
Öffnungszeiten: Do, Fr.: 15-18 Uhr, Sa: 11-14 Uhr

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