Considering Finland, KV LU, Teil I: Die Natur

Finnische Fotografie & Videokunst

Ilkka Halso, Riita Ikonen & Karoline Hjorth, Jaakko Kahilaniemi, Tellervo Kalleinen & Oliver Kochta-Kalleinen, Sanna Kannisto, Anna Reivilä, Mikko Rikala

bis 13.1.2019

In Zusammenarbeit mit dem Finnland-Institut in Deutschland präsentieren der Kunstverein Ludwigshafen und Port25-Raum für Gegenwartskunst in Mannheim Fotografien, Videos und Installationen finnischer Künstler. Es ist eine subjektiv getroffene, schlaglichtartige Auswahl der beiden Kuratorinnen Barbara Auer und Stefanie Kleinsorge, die die beiden vor Ort bei Atelierbesuchen in Finnland ausgesucht haben. Verbindendes Element der einzelnen Positionen ist das übergeordnete Thema an den jeweiligen Ausstellungsorten: für den Kunstverein Ludwigshafen ist das das Thema Natur bzw. das Verhältnis zwischen Mensch und Natur, beim Port25 im Mannheimer Jungbusch steht der Mensch im Mittelpunkt.

Blick in die Ausstellung

Es sind keine Landschaftsfotografien im klassischen Sinne, die hier präsentiert werden. Eher eigenartig entrückte Landschaftsbilder, die das Verhältnis des Menschen zur Natur, den konzeptuell-künsterischen Einfluss auf die Natur und die Abbildungen von Wechselwirkungen zwischen Mensch und Natur darstellen. Der schmale Katalog, der gleichzeitig auch als Begleitheft der Ausstellung fungiert, ist ein unabdingbarer Begleiter. Er offenbart sowohl die Konzepte als auch Kräfte, die der Mensch auf die Natur wirken lässt. Die Fotografien selbst treten nicht als wertende Kommentatoren auf, sie haben eher die Rolle eines dokumentarischen Abbildens.

Das Dokumentieren und das Erinnern sind immer wieder auftauchende Themen in den Bildern. Und natürlich die Weite und Leere der Landschaften, die als bestimmende und offensichtliche Komponente oft still mitschwingt. Das Spektrum ist umfassend, düstere Lagerhallenatmosphäre im Modell „Natur im Ausverkauf aus dem Hochregal“ bei Ilkka Halso, ein charmant märchenhafter Blick auf ältere Menschen, die still in den Wäldern verharrend erzählen bei Riita Ikonen & Corolina Hjorth. Jaakko Kahilaniemi befasst sich mit seinem Erbe, einem Waldgrundstück. Er tut dies mit einem gleichzeitig dokumentarischen wie landschaftsplanerischem Herangehen, in dem er Fundstücke inventarisiert und kleine Pflänzchen im Sinne einer Aufforstung in das Grundstück einbringt. Einen besonderen Blick für Ordnung schaffen Anna Reiviläs Fotografien, sie verknotet kunstvoll Bäume und Steine und  versetzt diese in ein eigenes Ordnungssystem. Die Fesselungen geben Halt und Struktur, sie akzentuieren und schaffen Gegensätze. Der Einflussfaktor Mensch wird in der Natur selbst sichtbar gemacht.

Sanna Kannisto verdichtet die Natur in einem bühnenartigen Fotoset, folienhaft inszeniert und präsentiert sie dekorativ ihre abgeschnittenen Zweige und bringt sie mit einer scheuen und schwer zu entdeckenden Vogelwelt in kontemplativen Einklang. Die Fotografien von Mikko Rikala sind Konzeptkunst „Made in Finland“, er befasst sich mit dem Verblassen von Erinnerungen. Neun Stadien einer Fotografie, die sich durch wiederholtes Falten und Anschauen über einen monatelangen Zeitraum abgreift und abnutzt, dokumentiert er in der Arbeit „Sea in my pocket“. Bei „Vernal Equinox/Summer Solstice“ entnimmt er im Winter einem See ein Stück Eis, lagert es bis zum Sommer im Gefrierschrank ein und führt es dann wieder an gleicher Stelle in den Kreislauf der Natur zurück. Das Loch im Eis und das Eis auf dem Wasser sind eigentlich passende Gegenstücke, sie wirken aber durch ihre Ungleichzeitigkeit wie materialisierte Erinnerung.

Kunstverein Ludwigshafen, Bismarckstr. 44-48, 67059 Ludwigshafen

Di-Fr 12-18 Uhr, Sa & So 11-18 Uhr

www.kunstverein-ludwigshafen.de

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