Matt Mullican – Kunsthalle Vogelmann Heilbronn

Matt Mullican – Nothing should exist

Kunsthalle Vogelmann Heilbronn, bis 19.2.2017

Die Ausstellung in Heilbronn ist die erste monographisch angelegte Schau von Matt Mullican im südwestdeutschen Raum. In Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Winterthur in der Schweiz ist eine umfassende Werkschau des in Amerika geborenen und nun in Hamburg lebenden Künstlers gelungen. Mullican ist derzeit Professor an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, sein Werk ist vielschichtig und er arbeitet in den unterschiedlichsten Techniken, um seinen Werken diese Tiefe, Vielfalt und Vielschichtigkeit zu ermöglichen.

In drei Stockwerken der Kunsthalle Vogelmann sind die Arbeiten klar strukturiert geordnet und symbolhaft inszeniert.  Die älteren Werke sind der Einstieg in die Ausstellung, hier zeigen sich auch die verschiedensten Einflüsse auf Mullicans Werk. Cartoons, Farbkarten, Strichmännchen, Piktogramme, Zufallsfunde und ein wenig Pop-Art klingen in den Werken an. „Nothing should exist“ als programmatischer Titel gibt dem ganzen noch eine tiefere Ebene, einen fast philosophischen Überbau, unter dem die Kreativität und die Gestaltungsprinzipien von Matt Mullican firmieren: soll hier nichts existieren oder soll das Nichts existieren? Dieser Spannungsbogen umschreibt die Kunst von Matt Mullican, seine persönliche, dingliche Erfahrungswelt wird übertragen in eine systemisch-symbolische Ordnung, der aber gleichwohl spurenhaft das Wesentliche, das Eigentliche von Matt Mullican einbeschrieben ist.

Kunsthalle Vogelmann Heilbronn
Blick in die Ausstellung, Erdgeschoß

Bereits der erste Raum schafft eine Art Universum, in dem sich Mullicans Kunst beispielhaft widerspiegelt. Die serielle Reihung dominiert, an den Wänden schablonen- bzw. zeichenhaft vereinfacht in riesengroßen Rubbings, den Abrieben auf Leinwand und mittig im Raum im begehbaren Holzkubus finden sich durch grünes Licht farbentfremdete Karten sowie Blätter mit geordneten, gesammelten und subjektiv-zugewiesenen Vignetten, Labeln, Etiketten, Zeitungs-ausschnitten, Bildern und handgeschriebenen Texten. Im Katalog ist von Weltmodellen, von Kosmologien die Rede, es ist die Weltsicht eines Künstlers, der geduldig arbeitend das einzelne im ganzen aufgehen lässt und somit ein mögliches Modell konstruiert.

Eine Zeichnung trägt den Titel „The entrance to hell“, sie zeigt ein Loch im Boden. Auch hier finden sich viele kleine Teile zusammen und bilden dann den Eingang zur Hölle, auch hier geht das Einzelne im Ganzen auf. Es ist eigentlich nur ein Eingang, das Bedrohliche, das Böse ist nur als Konnotation im Bildtitel und als dunkle Stelle im Bild mitgedacht. Bei Matt Mullican sind es nicht so sehr die Einzel-stücke, die faszinieren, es ist das Zusammengefügte und symbolhaft Gereihte was beeindruckt. Gnadenlos subjektiv, individualisiert und auf einen persönlichen Standpunkt bezogen werden die Bestandteile in der Gesamtschau zum wirkmächtigen Kompendium. Es ist aber einer Struktur und Ordnung unterworfen, die seine Mehrdimensionalität durch inhaltliche Vernetzung zusammenhält.

Bei Performances arbeitet Matt Mullican regelmäßig unter Hypnose. Die geschaffenen Werke ordnet er einer eigenen Persönlichkeit, einem anderen Bewusstsein zu, das den Namen ‚That person‘ trägt. Diese Person erschafft sich ihre eigene Welt, die wir aus der Betrachtung der unter ihrem Namen entstandenen Zeichnungen und Collagen erleben und erfahren können. Es ist eine Ausstellung in der Ausstellung, eine Art angezapftes Unterbewusstsein, das sich mit unerreichbarem Glück – bezogen auf ‚That Person‘ – befasst. Auch die vielteilige Arbeit „The meaning of Things“ im gleichen Raum entspringt einem ähnlichen, hypnoseartigem Ansatz. Sie erstreckt sich über drei Wände, Blatt an Blatt reiht sich geordnet aneinander. Auf jedem findet sich ein Bild aus dem Internet, mit handschriftlicher Nummerierung und gezeichnetem Rahmenornament. Die Bildrecherche im Internet ist für Mullican nicht unbedingt selbstbestimmt, wir finden oder folgen eher zufällig einem Strom untereinander verlinkter Bilder, es ist eher ein Stochern oder Gefundenwerden als ein selbstbestimmtes Suchen.

Kunsthalle Vogelmann, Allee 28, 74072 Heilbronn

Di-So 11-17 Uhr, Do 11-19 Uhr

www.museen-heilbronn.de/kunsthalle

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