Bilder des Wohnens, Port25 – Mannheim

Roman Bezjak, Axel Grünewald, Eyal Pinkas, Emanuel Raab, Marco Vedana, Suse Wiegand

bis 5.1.2020

Die Themenbereiche Architektur, Raum und Wohnen werden in der Ausstellung „Bilder des Wohnens“ im Port25 – Raum für Gegenwartskunst in Mannheim zum Thema von verschiedenen künstlerischen Positionen. Die Gemeinschaftsausstellung zeigt sechs Ansätze, die sich zwar alle auf den vorgebenen Rahmen beziehen, die aber auch gleichzeitig erkennen lassen, wie unterschiedlich man sich dem Thema nähern kann. Ausgangspunkt für die Ausstellung war ein Forschungsprojekt der Fachhochschule Bielefeld „Erkenntnisformen der Fotografie“, an der alle sechs ausstellenden Künstler teilgenommen hatten.

Blick in die Ausstellung

Roman Bezjak zeigt in seinen Bildern aus Taschkent eine modernistisch-sozialistische Umsetzung einer Stadtplanung nach dem Erdbeben von 1966. Bezjak interessieren eher die abstrakt-graphischen Strukturen innerhalb der Architektur und wie diese in das Gebäude integriert sind, ohne sich im Gesamten zu verlieren.

Suse Wiegand schafft es in einer großen Bodenarbeit den Begriff des Bildes zu hinterfragen. Sie übersetzt verschiedene Motive – wie etwa einen Plan einer Gartenanlage oder ein Fernsehtestbild – mittels Antirutschmatten in ihre eigene Bildstruktur und sie beschäftigt sich mit dem Nachleben von Konsumgütern und konstruiert und komponiert daraus neue Bilder und Zusammenhänge.

Eyal Pinkas hat als Student in Amsterdam in verschiedenen Wohnungen gelebt. Begleitet hat ihn dabei – treu und ergeben – seine Matratze. Die skulpturalen Qualitäten seiner Begleiterin inszeniert er in der Serie „The Landing“ unter Zuhilfenahme eines Lattengerüstes und der Schwerkraft in erzählerisch wirkenden Bildern. Die 16-teilige Fotoserie „Slaapdienst“ hat als Ausgangspunkt den Essensraum eines kleinen Hotels. In diesem Raum hat Pinkas geschlafen und er arrangiert darin das Mobiliar nachts immer anders: als ein Ballett des unwirklichen Zustandes, denn außer ihm hat dies niemand real gesehen. Es existiert eben nur auf den Fotografien, denn morgens, wenn die Hotelgäste zum Frühstück kamen, war das Mobiliar wieder an seinem Platz. Sowohl das verborgene Bett als auch die verborgenen Qualitäten des Mobiliars sind von temporärer Existenz.

Emanuel Raab verwischt in seinen Fotografien die Grenzen zwischen Fotografie und Malerei. Auf den ersten Blick erkennt man die Werke nicht als Fotografien oder hält sie für Überarbeitungen. Die Nahsichtigkeit und der fehlende räumliche Zusammenhang lösen das Dargestellte aus seinem Zusammenhang. Fensterausschnitte werden zu graphischen Elementen oder ein behelfsmäßig zusammengezimmerter Dachstuhl schwebt im Nichts. BildRaum nennt Raab diese Bilder geradezu programmatisch, es ist eine eigenwillige Symbiose aus Zusammenführung und Abgrenzung, wie ein Emulgat aus Motiven, die sich dann doch noch wundersam zusammenfügen.

Axel Grünewald vielteilige Fotoserie „Bankett“ ist an der Straße von Gibraltar entstanden. Die Blicke aufs Meer scheinen gleichförmig, da die Horizontlinie immer gleich gewählt ist, aber bei genauerem Hinsehen entdeckt man auf allen Bildern Schiffe. Diesen Blick haben letztendlich auch viele tausende Menschen, die sich an den Küsten Nordafrikas sammeln und versuchen das „rettende“ europäische Ufer zu erreichen. Das Fernweh, das diesen Bildern innewohnt, ist für uns eher Flucht aus dem Alltag und für andere eine Flucht zu besseren Lebens- oder Arbeitsbedingungen. Auch die roten Häuser, die eben nur auf einer Seite rot sind, da hier eigentlich im Sinne der deutschen Doppelhaushälfte weitergebaut werden soll, stehen für diesen Migrationseffekt. Sie sind Bilder des Übergangs, des Wandels und stehen symptomatisch für einen Aufbruch zu neuen Ufern.

Marco Vedana stellt Fotografien seiner Heimatstadt Ludwigshafen aus. Hier ist er aufgewachsen und hier sieht es immer noch genau so aus wie früher. Die Fotos haben dokumentarischen Charakter, unverstellt und unmittelbar bilden sie die Realität ab. Sie wirken fast wie eine Milieustudie, die sich aber auf andere Bereiche oder Wohnorte übertragen lässt. Das Ganze als Summe seiner charakteristischen Teile, fast wie eine soziologische Blaupause bei der aber der Mensch selbst ausgeblendet bleibt. Wohnraum und Wohnsituation sind die konstituierenden Elemente von Gesellschaft: Architektur, Raum und Wohnen als wichtige individuell gestaltete Elemente menschlicher Existenz.

www.port25-mannheim.de

Port25 – Raum für Gegenwartskunst, Hafenstr. 25-27, 68159 Mannheim

Öffnungszeiten: Mi-So 11-18 Uhr, Eintritt frei

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