Rudi Kargus – Malerei, Strümpfe Mannheim

Festhalten oder Loslassen?

Loslassen!

bis 26.1.2018

Was zur Zeit bei den ‚Strümpfen – the Supper Artclub‘ ausgestellt wird, lohnt den Gang in den Mannheimer Jungbusch. Es ist pure Malerei – expressiv, wild und direkt – es ist ein Herausschreien aus dem tiefsten Inneren und eine stille, in Farbe gegossene Zustandsbeschreibung zugleich. Der Name des Künstlers ist Rudi Kargus, er ist 65 Jahre alt und arbeitet erst seit gut 20 Jahren als Künstler. Auch sein „zweiter Bildungsweg“ führt ihn ins Licht der Öffentlichkeit. Früher stand er als Kicker im sportlichen Rampenlicht. Heute dagegen arbeitet er still und abgeschieden im Atelier und steht erst nach getaner Arbeit im kulturellen Blickfeld.

Blick in die Ausstellung

Kargus Bildwelt entspringt einem wohlgeordneten Schema, er setzt sich seine Ölbilder zunächst einmal mittels schwarz-weißen Collagen zusammen. Es entstehen bruchstückhaft zusammengesetzte Motive, die er zusammenbringt, obwohl sie nicht oder nur bedingt zusammengehören. Wenn Kargus zu malen beginnt, öffnet sich eine freiere und spontanere Farb- und Formenwelt. Das Gestische des Malvorgangs, die Materialschlacht des Farbauftrags und die gewählt durchdachte Farbigkeit bestimmen dann sein künstlerisches Tun. Der Schaffensprozeß scheint rauschhaft und manisch zu sein, so jedenfalls wirken seine Bilder. Aber der überlegt geplante Startpunkt und das Zusammenstellen und -wirken seiner Motive in einem erkennbaren Raum verankern das Gemalte in einer durchdachten Struktur.

Die Ölbilder schwanken zwischen spontaner Offenheit der freien Partien und klar komponierten und strukturierten Partien, die dem Dargestellten Raum und Halt verleihen. Die Ansammlung der Motive scheint willkürlich, was sie aber definitiv nicht ist. Was zunächst ungeordnet und als wildes Farbknäuel erscheint, ist eine Zusammenstellung von Einzelmotiven, die den Bildern ihre besondere Wirkung verleihen. Das Nebeneinander von Ruhigem und Lautem, von Erkennbarem und Verlaufendem findet sich in fast allen Bildern. In den großen Formaten, wo sich die Anhäufung der Motive ineinanderschiebend zusammendrängt und auch in den kleineren Formaten, wo sich bei den Köpfen einzelne Partien einer genauen antomischen Darstellung entziehen. Die Formauflösung geht aber nur soweit, dass sich Bewegung und Veränderung als existentielle Leitlinien in den Gestaltungsprinzipien wiederfinden. So ist es auch bei einem der Vorbilder, an dem sich Rudi Kargus orientiert, bei Francis Bacon.

Ist es bei Rudi Kargus nun eher ein Festhalten oder eher ein Loslassen? Das Festhalten an Erinnertem und Erlebten oder ein Loslassen von genau diesen durchlebten und erinnerten Fundstücken, die immer noch im Kopf rumspuken und in eine Bildwelt gebannt werden müssen. Diesen Zwiespalt, dieses Ringen zwischen Festhalten und Loslassen, den man bei guten Malern sieht, diesen Kampf um einen bestimmten Ausdruck kennzeichnet auch die Malerei von Rudi Kargus. Es ist eine Übertragung von Persönlichem ins Überpersönliche, vom Individuellen ins allgemein Gültige. Und wenn dies gelingt, wenn uns das Gemalte erreicht, dann finden Berührungen statt. Und Berührungen hinterlassen Spuren und diese sichtbaren Spuren lassen sich noch bis Ende Januar in den Strümpfen bewundern.

Blick in die Ausstellung

www.kargus-art.de

Strümpfe – the Supper Artclub, Jungbuschstr. 3, 68159 Mannheim

Mi & Do nach Vereinbarung, Fr 20-02 Uhr

www.struempfe-jungbusch.de

© Fotos: Eric Carstensen

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