Ungefähre Natur. Barbara Petzold – Malerei, Otto Beer – Skulptur, Kunstverein Ladenburg

Ölgemälde und Holzskulpturen

Lobdengau-Museum Ladenburg

bis 7.5.2017

Rauh und rissig geht es zu im Lobdengau-Museum in Ladenburg, aber auch bunt und etwas unscharf. Der Kunstverein Ladenburg zeigt wieder mal in den Räumen des Lobdengau-Museums eine Ausstellung mit expressiver Kunst. Im letzten Jahr waren dies Gemälde und Zeichnungen von Eberhard Bitter, nun werden unter dem Titel ‚Ungefähre Natur‘ Ölbilder von Barbara Petzold und mit der Kettensäge herausgearbeitete Holzskulpturen von Otto Beer gezeigt. Eine Kombination von stiller Offenheit und sinnlich-direkter Unmittelbarkeit.

kunstverein Ladenburg
Otto Beer – Holzskulpturen, Barbara Petzold – Malerei

Der gewählte Ausstellungstitel ‚Ungefähre Natur‚ lässt viel Spielraum, denn er ist in seiner eigentlichen Bedeutung genauso unscharf wie in bezug auf die ausgestellten Werke. Trotzdem oder gerade deswegen finden sich die Werke darin wieder, sie lassen sich in diesem nicht sehr eng gesteckten Rahmen eben unter einem gemeinsamen Motto zusammenfassen: der organische Werkstoff Holz und die daraus geschaffenen Körper, wie auch die zart schimmernden, leicht unscharfen Figuren in den Ölgemälden. Es ist eben alles ungefähr Natur und es ist natürlich auch alles nur ungefähr.

Kunstverein Ladenburg
Blick in die Ausstellung

Holzskulpturen, die direkt aus dem Stamm oder dem Holzblock herausgeschlagen oder herausgesägt sind, werden gerne als unmittelbar beschrieben. Sie sind von einer besonderen Direktheit und Aussagekraft, ihre Gestaltung mit der Kettensäge lässt rohe, rauhe und rissige Körperformen von zusammenfassender Einfachheit entstehen. Das subtraktive, wegnehmende Arbeiten im Bereich der Skulptur ist schwierig und in der Regel wohlüberlegt. Denn alles was weggenommen ist, kann nicht mehr – wie im Bereich des additiven, hinzufügenden Arbeiten in der Plastik – korrigiert werden. Georg Baselitz, der riesige Holzskulpturen mit der Kettensäge schuf, hat dieses Arbeiten mal damit verglichen, es sei wie das Graben in der Erde, das dann die darin befindliche Figur zu Tage treten lässt. Die Figur ist schließlich schon im Stamm enthalten, der Holzbildhauer muss sie „nur noch“ herausholen, sie zum Vorschein kommen lassen.

Otto Beer stellt sich dieser holzbildhauerischen Aufgabe seit einigen Jahren, er holt seine Figuren aus den unterschiedlichsten Hölzern heraus. Eiche, Linde, Kirsche, Walnuss, Feldahorn, Kiefer, Olive, Mirabelle, Holunder, Maulbeere, Zwetschge, nichts scheint sicher zu sein vor den Händen bzw. der Kettensäge von Otto Beer. Jedes Holz hat seine Eigenheiten, manchmal ist es die Maserung, die in die Formgebung einkalkuliert werden muss, manchmal sind es Spannungsrisse, die der Zufall den Figuren in den Leib reißt. Das alles trägt zur Gestaltungsfindung und der Wirkung der Skulpturen bei. Die Längung der Figuren, die zarten Deformierungen sind durch die Blockgrenzen vorgegeben, die Stammbreite und Höhe entscheidet über die darin befindliche Figur. Daher drängt der organische, auch nach der Trockung noch weiterarbeitende Werkstoff den Bildhauer in die zweite Reihe, das Holz entscheidet, wo die Reise hingeht. Gute Holzbildhauer reisen allerdings auch sehr gerne.

Das Eigene, das Charakteristische, das Wiedererkennbare findet sich auch in den Arbeiten von Otto Beer. Das brachiale Arbeiten mit der Motorsäge kann aber auch ein sehr fragiler Prozeß sein. In der Regel besitzen Holzbildhauer mehr als eine Kettensäge, oft sind es 10 oder mehr. Die Größe, respektive die Länge des Schwertes ist ein wichtiger Gestaltungsfaktor: wie nah dran an der Skulptur kann man arbeiten, wie fein oder grob lassen sich Späne entfernen und welche Oberflächenstruktur bleibt letztlich stehen. Es bleiben immer Arbeitsspuren stehen als sichtbares Zeugnis des Schaffensprozesses, die dann im Verbund mit den Spannungsrissen oft zu einer lebendigen, aber auch versehrten Oberfläche führen. Das macht den Reiz der Figuren aus, das Unmittelbare, das Spontane und das Einfache dominieren den Eindruck, der Abstraktionsgrad der Figur ist bei Beer dennoch sehr hoch, die Oberflächenbemalung strukturiert die Skulptur und setzt zusätzlich Akzente.

www.otto-beer.de

Barbara Petzold kann nicht so spontan wie Otto Beer arbeiten. Sie hat ihre eigene Maltechnik entwickelt, die sehr dünnflüssige Ölfarbe trägt sie lasierend Schicht für Schicht auf. Bevor die alte Schicht nicht getrocknet ist, kann die nächste nicht aufgebracht werden. Das Bild entwickelt sich so aus der Tiefe heraus, wohlüberlegt und Schritt für Schritt. Diese Wirkung wird duch die gewählten Hintergründe noch verstärkt, die Figuren werden vor einheitlichen, oft dunklen Folien entwickelt. Sie tauchen auf, bleiben aber irgendwie mit dem Hintergrund verhaftet. In ihrer frischfisch-Serie wird dies augenscheinlich, die schwimmenden vor sich hintreibenden Körper werden zu neonhaft leuchtenden Ködern, verbunden mit dem Wasser und verbunden miteinander teilen sie dasselbe Schicksal.

Die letzte noch nicht getrocknete Malschicht wird mit einem breiten, sehr weichen Pinsel verstrichen. Es entsteht ein Unschärfeeffekt, ein Verwischen und Verschmelzen mit den umliegenden Bildpartien. Da diese dann oft Ton in Ton gemalt sind, entsteht ein ambivalenter Eindruck. Ist es ein Auftauchen aus dem Bildgrund oder ist es ein Versinken? Bei den Naturbildern hat dies zur Folge, dass sie sehr flächig wirken. Das Miteinander-Verhaftetsein geht auf Kosten der Räumlichkeit, es zieht alles nach vorne und verdichtet es in sanfter Farbigkeit. Wir sehen es wie durch einen Schleier, verschwommen und unscharf.

In den Figurenbildern von Barbara Petzold ist die Wirkung ganz ähnlich. Die Figur ist aber der Protagonist im Bild, der Hauptakzent, dem die Aufmerksamkeit gilt. Nachdenklich wirken die Figuren, wie Sinnende, leicht Abwesende, die in ihrem Tun ganz bei sich sind. Nichts lenkt sie ab, eine stille Melancholie legt sich über sie und trägt sie mit ihren Gedanken in ihre eigene Welt. Sie sind in sich gewandt, verschlossen und strahlen oder leuchten trotzdem nach außen. Es ist weniger die Formensprache als vielmehr die Farbigkeit und der besondere Leuchtwirkung, die den Werken ihren expressiven Ausdruck verleihen. Die Bilder Petzolds zeigen wie sehr sich Ruhe und Verschlossenheit als Ausdrucksmittel eignen, die leisen Töne sind dann doch oft die wirksameren.

www.barbara-petzold.de (Werke bis 2009)

www.hengevoss-dürkop.de (Werke ab 2009)

Kunstverein Ladenburg, Lobdengau-Museum, Amtshof 1, Ladenburg

Mi + Sa 14-17 Uhr, So 11-17 Uhr

www.kunstverein-ladenburg.de

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