Werner Pokorny, Galerie Julia Philippi Dossenheim

Türme, Zeichnungen und Plastiken

Kleinformatige Arbeiten von Werner Pokorny, bis 9.9.2016

Neben der Ausstellung der großen Stahlplastiken im Skulpturenpark Heidelberg zeigt nun auch die Galerie Julia Philippi in Dossenheim Werke von Werner Pokorny. Hier werden aber kleinformatige Holzskulpturen oder Bronzeplastiken ausgestellt, feinfühlig ergänzt durch eine Serie von Zeich-nungen. Die beiden Ausstellungen könnten unterschiedlicher kaum sein: die großen und schweren Stahlplastiken im öffentlichen Raum und die kleinen, fast modellartigen Plastiken im privaten Ambiente der Galerie Julia Philippi. Es ist wie ein Heranführen an Pokornys Formensprache von unterschiedlichen Positionen, die aber trotz allem unverwechselbar miteinander verbunden sind. Wo Pokorny draufsteht, ist halt auch Pokorny drin.

Galerie Julia Philippi Dossenheim
Blick in die Ausstellung

Formreduziert – zeichenhaft – spielerisch

Das Schichten von Formen ist ein grundsätzliches Gestaltungsprinzip in der Kunst von Werner Pokorny. Das Aufeinanderaufbauen, das Auftürmen findet sich in allen Werken, ebenso wie die formreduzierte Zeichenhaftigkeit und ein spielerischer Umgang in der Tektonik der Plastiken. In den kleinformatigen Arbeiten wirkt es aber wilder oder unaufgeräumter als bei den riesigen Stahlplastiken, was bei deren Größe wohl auch dem Herstellungsprozeß und dem Gewicht geschuldet ist. Die Plastiken in der Galerie Julia Philippi sind nicht so streng gebaut wie die großen Kolosse, sie sind sehr viel beweglicher konstruiert. Hier findet viel mehr Spiel mit dem Gleichgewicht statt, hier geht es weniger um klare Kantenverläufe und zeichenhafte Formeln. Die Arbeiten entwickeln eine Leichtigkeit und eine statisch durchdachte Bewegungsharmonie, obwohl sie aus den gleichen Formen aufgebaut sind wie die großen Stahlplastiken. Wenn bei einem Turm die Basis den kleinsten Durchmesser hat, dann sollte das Gleichgewicht sinnvoll austariert sein. Somit entstehen kleine Formenstapel, asymmetrisch verschoben, die keine Hauptansicht haben, sondern rundansichtig im Raum stehen.

Haus, Scheibe, Brücke – einfache Formen

Die einfache Form als Zeichen, als wiederkehrendes und wiedererkennbares Symbol: das Haus, die Scheibe und die Brücke sind typische, elementare Grundformen. Aus ihnen baut Werner Pokorny seine Plastiken auf, in geschichteter Abfolge oder auch mal in unstrukturiertem Chaos. Die Klarheit in der  Formensprache beruhigt und ordnet, die spielerische Auftürmung wirkt zufällig und zeigt Grenzen auf, die aber immer eingehalten werden. Einen Turm kann man eben auf verschiedene Art bauen, einfach und klar oder vielschichtig und bewegt. Die einzelnen Elemente können kippen, gegeneinander verdreht sein oder auf dem Kopf stehen, es findet und setzt sich doch zusammen.

Die Zeichnungen

Die Zeichnungen von Werner Pokorny sind freier und flüchtiger als seine kleinformatigen Werke. Sie sind von einer überraschenden Skizzenhaftigkeit, die Plastizität aus strichartigen Schattierungen und gegeneinander verschobenen Formen entstehen lässt. Mit schnellem Strich umreisst Pokorny die Form, es ist ein Erahnen, ein Herantasten an die plastische Form, seine Modelle stehen dabei mehr auf einer Horizontlinie denn im Raum. Perspektive ergibt sich nur aus dem Spiel der Formen, die mit roter Kreide gezeichneten Modelle sind nahsichtig in die vordere Bildebene gerückt und lassen auch noch Spielraum für die plastische Ausarbeitung und Gestaltung. Hier überschreitet Pokorny gern die Grenzen, hier ist es möglich plastische Utopien auf das Papier zu bringen.

Galerie Julia Philippi Dossenheim
Zeichnungen

www.werner-pokorny.de

Galerie Julia Philippi, Heidelberger Str. 31, 69221 Dossenheim

Mi, Do, Fr 15-19 Uhr

www.galerie-julia-philippi.de

Galerie Julia Philippi
Blick in die Ausstellung

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