C7 Galerie Mannheim : „Das weibliche Auge“. Fotografische Positionen von Frauen

„Das weibliche Auge“ – C7 Galerie Mannheim zeigt fotografische Positionen von acht Künstlerinnen.

Wohl kaum eine andere Foto-Galerie in der Region hat mehr Ausstellungsvolumen zur Verfügung als die C7-Galerie in Mannheim. Hier kommen sowohl Fotografie-Fans als auch die Künstler selbst auf ihre Kosten, denn in dem sanierten und architektonisch umgebauten ehemaligen Sozialamtsgebäude im Mannheimer Quadrat C 7 ist an den Wänden Platz für an die hundert Exponate. Derzeit beherbergen das weitläufige Treppenhaus über drei Etagen, das Kellergeschoss im Haupthaus und das angrenzende Treppenhaus vis a vis die Ausstellung „Das weibliche Auge“. Dort sind Arbeiten von acht Fotografinnen zu sehen, die ihren Blick auf Dinge des Alltags gerichtet haben, um darin Besonderheiten zu entdecken.

StreetART Girls

Im Kellergeschoss erwarten den Besucher die „StreetArt Girls“ von Brigitte Bauhoff – ausnahmslos Streetart-Werke von Frauen. Seit vielen Jahren reist sie durch Europa auf der Suche nach Wallpaintings und fotografiert diese. Sie ist fasziniert von der Vielfalt und dem künstlerischen Vermögen vieler Street-Artisten und auch deren Reiz, Bilder auf Wänden und Flächen im öffentlichen Raum selbstautorisiert zu platzieren. Und sie ist fasziniert von weiblichen Street-Artisten, die in der Szene bis weit in die 90er Jahre eine eher untergeordnete Rolle gespielt haben. Es ist wohl auch den weiblichen Street-Artisten zu verdanken, mit ihren Werken Gegenbilder zum lange geduldeten Pin-up zu entwickeln und durchzusetzen.

Metrische Konstrukte

Im hinteren Teil des Erdgeschosses hängen die „metrischen Konstrukte“ der noch jungen Mannheimer Fotografin Esther Betz. Sie setzt den Schwerpunkt bei der Motivsuche auf vom Menschen konstruierte Strukturen, Linien und einer metrischen Ordnung, die unterbrochen werden durch Impulse wie schräge Linien, Rundungen oder scharfe Kanten. Auf den Fotografien sind meist große Architekturen zu sehen. Die Wahl des Ausschnitts und der Kamerastandpunkt zwingen das Motiv in eine Abstraktion, die eine enorme Kraft entwickelt und zugleich in ihrer Klarheit erstaunlich aufgeräumt wirkt.

Cityghosts & Ghostcities

Im vorderen Teil des Erdgeschosses und im Treppenaufgang zum ersten Stock beeindrucken unter dem Titel Cityghosts & Ghostcities die Foto-Arbeiten von Sabine Orlik. In dieser Serie zeigt sie Architektur in spiegelnden Flächen – wenn man so will ein Gegenstück zu den klaren, nüchternen Arbeiten von Esther Betz. Orlik hält fest, was Lichtbrechung und Spiegeloberfläche hervorbringen: Surreale Geisterstädte und utopische Landschaften.

KRASS

Im ersten Stock ist die Fotoserie „Krass“ der Fotografin Helga Grimme zu finden. Krass sind in erster Linie die schreienden Farben, in denen die normalen bis banalen Motive daherkommen. Badeszenen am Meeresstrand werden zu surreal eingefärbten Traumlandschaften, die einem LSD-Trip entstiegen sein könnten.

LiQuid

Die 2. Etage wartet auf mit den Foto-Arbeiten von Christine Gschwender. Die Fotos der Serie LiQuid zeigen eine strake Abstraktion von Form und Struktur – teils anmutend wie breite Pinselstriche auf einem weißen Blatt Papier, teils wie ein Ölfilm auf Glas in dem sich das Licht bricht. Diese Effekte sind das Ergebnis einer frostigen Idee: Gschwender fotografierte den Prozess eines auftauenden Blumenstraußes – den sie zuvor eingefroren hatte, weil sie ihn nicht wegwerfen wollte. Die daraus resultierenden Texturen, Form- und Farbveränderungen sind erstaunlich.

Den ganzen Unsinn´werd ich nie verstehen

Im 3. OG taucht der Betrachter ein in die Gefühlswelten junger Frauen. Sie gehen nahe, die Seelenbilder der Berliner Fotografin Judith Weber. Es trifft einen beispielsweise der traurige Blick einer Frau mit einem Pflaster auf der Nase, oder wir sehen eine junge Frau hängend an einer Außenwand, den Blick in die Tiefe gerichtet, als wolle sie jeden Moment loslassen. Geschickt inszeniert Judith Weber ihre Motive durch den Kamerastandpunkt und die schwarz-weiß-Anmutung. Damit gelingt es ihr, den Betrachter in die trüben Stimmungen und dunkle Gedankenwelt dieser jungen Frauen hineinzuziehen und ihn emotional zu beteiligen.

„Ist das Wabi-Sabi, oder kann das weg?“

Im Treppenhaus gegenüber sind unter dem charmanten Titel Ist das Wabi-Sabi, oder kann das Weg?  die Fotoarbeiten von Anke Ola Schmidt zu sehen: Verwelkende Tulpen in samtiger Farbigkeit. Der Titel der Arbeiten bezieht sich auf das ästhetische Konzept des Wabi-Sabi, das aus Japan stammt. Nicht der junge, gerade erblühte Blütenkopf schmeichelt dem Auge des Betrachters, sondern sein Verblühen und Vergehen tritt in ausdrucksstarker Schönheit hervor und verdrängt das, was man vermeintlich verliert.

Wasserbilder

Ebenso findet man in diesem Treppenhausflügel die WasserBilder von Ingeborg Gärtner-Grein. Sich ausbreitende Farbschlieren im Wasser werden fotografiert und das Foto später am PC weiterbearbeitet. Die Fotografin richtet dabei ihr besonderers Augenmerk auf Formen, die etwas zu erzählen haben – nicht nur ihr, sondern auch dem Betrachter, dem sie genug Raum geben will, in den Formen Eigenes zu entdecken.

Ausstellungsdauer:
bis 18.12.2018

Wo:
Galerie im Treppenhaus – C7 Galerie
C7,1
68159 Mannheim
https://c7galerie.de/

Öffnungszeiten:
jeden Dienstag 18:00-20:00 Uhr
jeden 1. Sonntag im Monat 14:00-16:00 Uhr
und nach Vereinbarung unter:
Tel.: 0174.33 53 867 oder per Mail: ulibo@c7galerie.de

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