Halb Frau, halb Künstlerin…Kunsthalle Vogelmann Heilbronn

Käte Schaller-Härlin und Mathilde Vollmoeller-Purrmann

bis 21.10.2018

Nach der sehr erfolgreich verlaufenen Emil Nolde Ausstellung präsentiert die Kunsthalle Vogelmann derzeit ein Ausstellungsprojekt der ganz anderen Art. Sowohl Käte Schaller-Härlin (1877-1973) als auch Mathilde Vollmoeller-Purrmann (1876-1943) sind Zeitgenossinnen von Emil Nolde und beider Lebensläufe sind typisch für Künstlerinnenkarrieren in der damaligen Zeit. Die Ausstellung in Heilbronn ist eine Art Wiederentdeckung, eine zugleich einfühlsame wie tiefblickende Sicht ins ausgehende, sehr akademisch geprägte 19. Jahrhundert und das moderne, eher lautmalerisch beginnende 20. Jahrhundert.

Kunsthalle Vogelmann Heilbronn
Blick in die Ausstellung

Es gab in dieser Zeit nicht sehr viele Frauen, die sich für ein Leben als bildende Künstlerin entschieden. Zumindest nicht sehr viele, die auch ihren Broterwerb damit bestreiten wollten und auch konnten. Zu festgefahren und zu geschlechtergeprägt waren nicht nur die Gesellschaft, sondern vor allem auch die Ausbildung an den staatlichen Kunstakademien. Als Frau wurde man dort nicht zugelassen, es standen somit nur private Kunstschulen zur Verfügung oder man mußte sich autodidaktisch weiterbilden.

Kunsthalle Vogelmann Heilbronn
Blick in die Ausstellung

Der Weg, den beide Künstlerinnen einschlugen, war dementsprechend hart, steinig und langwierig. Ihr Weg kreuzte sich dann auch an einer privaten Kunstschule in Frankreich, an der Pariser Académie Matisse. In Paris war man weltoffener und sehr viel moderner ausgerichtet als in Deutschland. Hier wurden die Kunstrichtungen und die künstlerische Haltung entwickelt, die sich dann auch recht schnell in die Peripherie verbreitete. Was sich in der Pariser Kunstwelt durchsetzte, wurde als Blaupause in anderen Ländern übernommen und zeitversetzt mit Lokalkolorit versehen als künstlerische Moderne etabliert.

Käte Schaller-Härlin, Porträt Johanna Augusta Ostertag, 1906

Käte Schaller-Härlin mußte nach dem frühen Tod ihres Mannes im Ersten Weltkrieg den Unterhalt für ihre Familie bestreiten. Sie machte sich recht schnell einen Namen als Porträtmalerin und wurde zudem von Theodor Heuss protegiert, der ihr viele Auftragsarbeiten vermittelte. Im Lauf der Jahre schuf sie ein beeindruckendes Werk an Bildnissen, die durch ihre einfühlsame Charakterisierung der Dargestellten bestechen. Die Kunsthalle Vogelmann zeigt davon einen repräsentativen Querschnitt, aus dem vor allem das Bildnis der Johanna Augusta Ostertag herausragt. Vor dunklem Grund erwächst die Halbfigur, Gesicht und Hände leuchten hell. Selbstbewusst schaut uns die Dargestellte fest in die Augen. Weiche, fließende Übergänge, die Hell-Dunkel-Malerei und der hohe Realitätsgrad einzelner Partien schaffen eine empfindsame Momentaufnahme der Figur. Oft nutzt Schaller-Härlin auch Attribute, die die Dargestellten in ihr natürliches Umfeld einbinden oder dieses abbilden.

Mathilde Vollmoeller-Purrmann verlegte sich auf Rat ihres Mannes Hans Purrmann nach dem Ersten Weltkrieg aufs Aquarellieren. Ihr letztes bekanntes Ölbild datiert von 1913, in dieser Phase ist die Farbgebung und die Gestaltungsprinzipien klar an französischen Vorbildern orientiert. Der Einfluß von Henri Matisse ist klar erkennbar und auch die Motivwahl ist an diesem Vorbild orientiert. Starkfarbig, formvereinfacht und ohne großen Tiefenzug sind die Bilder eher flächig und ornamental geprägt. Die Aquarelle der späteren Jahre verraten ebenfalls die fauvistische Herkunft, die verwendete Farbpalette, die der Aquarelltechnik eigene Formvereinfachung und das eigenwillige Gegeneinandersetzen von Farbflächen lassen sich auch hier deutlich erkennen. Die Motive sind weit nach vorne in den Bildvordergrund gestellt und selbst in den kleinteilig aufgebauten Bildern zeigt sich eine vibrierende Flüchtigkeit in der Gestaltung, die das Dargestellte von zarter Hand zum Leben erweckt und belebt.

Es ist gemessen an der Nolde-Schau eine eher leise Ausstellung, aber eine gelungene, die zwei zu Unrecht Vergessene wieder zurück ins Blickfeld einer breiten Öffentlichkeit holt.

Kunsthalle Vogelmann Heilbronn, Allee 28, 74072 Heilbronn

Di-So 11-17 Uhr, Do 11-19 Uhr

www.museen.heilbronn.de/kunsthalle/

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