Konstantin Voit: Your Pride Is My Engine. Kunstverein Neustadt

Konstantin Voit – Der Herr der Schablonen

Der Neustädter Kunstverein – untergebracht in der opulenten Gründerzeitvilla Böhm – zeigt derzeit eine umfangreiche Einzelausstellung mit mehr als 25 neuen Arbeiten und im Besonderen Auszüge aus dem sogenannten „Kernsystem“ des Mannheimer Künstlers Konstantin Voit: Ein einzigartiges Schaffens-Universum, das vor 25 Jahren „geboren“ wurde und das seitdem wächst und wächst. Geburtshelfer dieses Universums war eine Schablone mit Eisenbahnmotiven, die sogenannte Ur-Schablone des Künstlers. Seitdem ist Voits Schablonensammlung auf  10 0000 Stück angewachsen – womöglich die heute größte private Schablonensammlung der Welt. Neben diesem enormen Fundus an Schablonen gehören zu den Werkzeugen Voits unzählige persönliche Dinge, Ideenskizzen, Zeichnungen und Objekte, die der Künstler in einem Gesamtsystem erfasst und variantenreich bespielt. Bis heute sind mit Hilfe dieses Kernsystems über 2.000 Bilder und nahezu 10.000 Bildentwürfe entstanden – die Möglichkeiten sind schier unerschöpflich und könnten von jedem, der das System verinnerlicht und verstanden hat, theoretisch auch noch in 1000 Jahren fortgeführt werden.

Initialen K + V, 2018

Das Voitsche System

Das komplexe System begreifen zu wollen ist eine Herausforderung und wird darum hier auch nur an der Oberfläche berührt. Der künstlerische Schaffensprozess nährt sich prinzipiell aus der Schablonensammlung des Künstlers und seiner mittels Blättern, Skizzen und biographischen Versatzstücken grundlegenden Auseinandersetzung mit der Frage nach dem großen Ganzen, dem Ursprung des Seins und der Suche nach Antworten darauf. Letztendlich unterwirft Voit diese Zutaten einem ganz speziellen Ordnungssystem. Zum Beipspiel beträgt das numerische Verhältnis Blatt zu Objekt ca. 4:1 und jedes Element stützt das System durch einen eigenen Aspekt. Dieser darf durchaus ironisierend sein. So wie das auch die seinem System zugrunde liegenden 20 goldenen Regeln der Malerei, sein aus 20 Punkten bestehendes Manifest der Malfabrik, die zehn+10 Gebote und das 20 Gesetze umfassende Grundgesetz der Malfabrik, sowie die 237 Prinzipien tun, die zu jedem Blatt oder Ding im Kernsystem aufgestellt worden sind. Beispielweise mahnt eine Warntafel zur Sicherung des Systems vor Nässe: „Verschütten ist zu vermeiden“. Die Masse an Dingen, Prinzipien, Geboten und Ideen, die in seine Kunst hineinspielt, verlangt diese Ordnung, andernfalls verlöre sie sich in Chaos und Formlosigkeit.

Das Ergebnis

Das Ergebnis seiner Schablonenkunst folgt immer konsequent einer genauen Ordnung, die für den Betrachter jedoch nicht leicht erkennbar ist.  Ausgangspunkt eines jeden Bildes ist eine zunächst einfache Umrissform einer Schablone. Das ist ein Buchstabe, eine Ziffer, ein Gegenstand oder ein Lebewesen. Jedoch belässt er es nicht bei dieser Grundform, sondern er überlagert diese Ur-Form mehrfach, bis sie sich zu einem verflochtenen Kosmos von Farbe und Linie weiterentwickelt.

Die Namensbilder

In Neustadt zeigt Voit unter anderem neun Namensbilder. Hierbei handelt es sich um die Vornamen universeller Berühmtheiten. Im Zentrum des Bildes legt Voit die einzelnen Buchstaben eines berühmten Vornamens übereinander und behandelt sie auch farblich immer in der gleichen Anordnung. Die Grundfarbe des Motivs und des Bildrahmens wiederum setzt er zumeist in Verbindung zu einem die Persönlichkeit charakterisierenden Attribut: Bei Nena findet man die Luftballons und eine prinzipiell rote Farbgebung, bei Vincent die gelben Sonnenblumen und einen gelben Rahmen, bei Joschka die Turnschuhe und die Farbe Grün als Kernfarbe und bei Marlene generiert sich die Farbe Blau durch den berühmten „Blauen Engel“ mit dem die Schauspielerin hauptsächlich in Verbindung gebracht wird. Dieses Prinzip hatte Voit bereits bei seiner Fußballerserie angewendet, die jüngst in Mannheim im Port 25 zu sehen war.  Dort hatte er die Nachnamen aller am WM-Fußball-Endspiel von 1974 beteiligten Fußballer auf einem riesigen Fußballfeld, das auf einer Ausstellungswand aufgemalt war, in Szene gesetzt. In ihrer Individualität erinnern die Voitschen Namensbilder an Familienwappen und dürfen durchaus auch so gesehen werden.

Die Malfabrik

Der Clou der Kunst Voits begründet sich auch darin, dass jeder die Möglichkeit hat, sich von Voit ein eigenes Namensbild erschaffen zu lassen. Möglich wird das in der vom Künstler vor mehr als 20 Jahren gegründeten Malfabrik. Hier entwickelt er Themenblöcke und Bildideen, die jeder bei ihm in Auftrag geben kann. Die Malfabrik ist seine Matrix. Hier folgt er konsequent seinen Schablonen und der Möglichkeit, mit den vorgegebenen Mustern neue Bildinhalte zu erfinden, ein Muster umzudeuten, eine Form zu verändern, indem er sie überlagert, übermalt und farblich umdeutet. Das, was Voit entwickelt hat und das, was sich bis in die Ewigkeit fortführen ließe, ist ein einzigartiger Kosmos und Konstantin Voit der uneingeschränkte Herr der Schablonen.

Mehr zum Künstler:
www.malfabrik.de

Die Ausstellung „Your Pride Is My Engine“ ist noch bis 04.03.2018 zu sehen:
Kunstverein Neustadt, Villa Böhm
67433 Neustadt
Maximilianstr. 25
Öffnungszeiten:
Do-So 15-18 Uhr
Sa, So 11-13 Uhr

www.kunstverein-nw.de

 

 

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