Barbara Hindahl Bernhard Sandfort, Port25

Preisträger Mannheimer Kunstpreis der Heinrich-Vetter-Stiftung

Port25 – Raum für Gegenwartskunst, bis 4.9.2016

Bereits zum sechsten Mal wird der Mannheimer Kunstpreis nun schon vergeben. Gemeinsam loben Stadt und Heinrich-Vetter-Stiftung dieses Jahr zwei Künstler aus, Barbara Hindahl und Bernhard Sandfort. Beide Künstler teilen sich den Preis, der alle zwei Jahre durch einen Juryentscheid vergeben wird. Zweigeteilt ist auch der Ausstellungsraum, an der einen Wand reiht sich chronologisch und in retrospektiver Schau die Malerei von Bernhard Sandfort auf. In der gegenüberliegenden Raumhälfte werden die Drucker-Zeichnungen und -Videoinstallationen von Barbara Hindahl ausgestellt.

Port25
Bernhard Sandfort – Blick in die Ausstellung
Port25
Barbara Hindahl – Blick in die Ausstellung

 

 

 

 

 

 

Bernhard Sandfort – die Linie als verbindendes Element

Das Spiel aus Gesetzmäßigkeit und Zufall bestimmt das künstlerische Werk von Bernhard Sandfort. In seinen Linienbilder findet er für sich eine lebensfüllende Aufgabe. Die Hängung im Port25 unterstreicht die rote Linie in seinem Gesamtwerk, aus einzelnen Bildern heraus entwickelt Sandfort schließlich Bildergruppen, deren Hängung einerseits durch ein im Bild angelegtes Gitterwerk vorbestimmt ist, das aber trotzdem frei kombinierbar ist. Somit kann bei jeder Ausstellung aus der Kombination der einzelnen Bilder ein neues Gesamtbild gehängt werden. Konsequent verwendet Sandfort die Farben Rot, Blau, Gelb sowie Schwarz und Weiß, es entsteht ein Farb- und Linienspiel, das einem Ordnungssystem und einem Zufallsprinzip gleichermaßen entspringt.

Seit 1977 baut Sandfort ein „Museum der Fragen“ auf. Er lässt jeden Fragen formulieren, die entweder auf Papier, per email oder direkt vor Ort festgehalten werden. Antworten auf diese Fragen gibt es explizit keine, man muss sie sich selbst geben, sie aus dem Kontext heraus intuitiv erklären, erfahren oder erarbeiten. Dieser stille Dialog ist der entscheidende Prozeß, die Fragen regen an, sie stoßen den Prozeß des Nachdenkens an, der schließlich individuell abläuft. An einer Wand hängen alte und neue Fragen in loser Reihung, einige noch mit Schreibmaschine auf inzwischen vergilbtem Papier geschrieben, andere mit krakeliger Handschrift verfasst. Die Fotografien dazwischen wirken fast wie Zeitzeugen. Es sind Schnappschüsse, individuell und persönlich wie es die Fragen eben auch sind.

Barbara Hindahl – gedruckte Choreographien

Feinlinig und zart wirken die Zeichnungen von Barbara Hindahl aus der Entfernung. Aus der Nähe betrachtet setzen sich die Linien aus Buchstaben und Sonderzeichen zusammen. Eigentlich sind es keine Resultate eines künstlerischen Prozesses sondern Handlungsanleitungen, es sind visualisierte Klangbilder bzw. Partituren einer eigenwilligen Choreographie. Der Tintenstrahldrucker übersetzt den Druckauftrag in hörbare Stücke, die sogenannten „printer pieces“. Die Programmierung läuft über die sinnliche Wahrnehmung des Hörens. Zeitliche Abstände erzeugen Leerstellen auf dem Papier, Anhäufungen von Buchstaben ergeben die Töne. Videoinstallationen lassen uns teilhaben an diesem Verlauf, Rhythmus und Bewegung werden sicht- und hörbar. Was auf dem Papier wie ein Crescendo aussieht, lässt den Druckerschlitten im Video schnell und ruckartig agieren. Von der Wand mit den Zeichnungen überträgt sich das Prinzip somit in den Raum hinein zu den „Stücken“. Hindahl nennt das Transformation, aus den zweidimensionalen, stillen Papierarbeiten wird eine Klang- und Rauminstallation, die mehrere Sinne bewusst ansteuert.

www.bernhardsandfort.de

https://www.facebook.com/barbara.hindahl

Port25 – Raum für Gegenwartskunst, Hafenstr. 25-27, 68159 Mannheim

Di-So 12-18 Uhr, Eintritt frei

www.port25-mannheim.de

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